Den Obernauern in die Töpfe geschaut

Ein Koch- und Backbuch aus dem Windecker Ländchen

Es war einmal ein kleiner Verein in einem kleinen Dorf mit relativ wenigen Mitgliedern und dementsprechend nur gering gefülltem Vereinssäckel. Die aktiven Mitglieder kümmerten sich um das dörfliche Leben, verschönerten das Ortsbild, organisierten Feste und Wanderungen und pflegten liebevoll den Kinderspielplatz, das Ehrenmal und die vereinseigene Schutzhütte.

An größere finanzielle Kraftakte war nicht zu denken, wiewohl viele Bürgerinnen und Bürger schon lange einen Traum hatten: ein eigenes Obernauer Bürgerhaus.

Auf der Jahreshauptversammlung des Vereins Anfang 1997 wurde schließlich die Idee geboren, es anderen Vereinen in der näheren und weiteren Umgebung gleichzutun und ein eigenes Kochbuch herauszugeben und zu verkaufen.

Fortan wurden bei den Obernauer Hausfrauen leckere Rezepte gesammelt, vieles erst nachgekocht und ausprobiert, in ungezählten Zusammentreffen in heißen Diskussionen die Kategorien des Kochbuchs, die Form und Größe, die Schriftart, das Vorwort, die Bindung und vieles mehr diskutiert, verabredet und wieder verworfen und vor allem letztlich alles von Hand in den PC getippt.

Auf über 300 Seiten finden sich Leckereien unter den Rubriken “Suppen und Eintöpfe/ Nudeln, Eier, Kartoffeln/ Fleisch, Fisch, Geflügel/ Gemüse/ Salate/ Nachspeisen/ Wenn Gäste kommen/ Kuchen, Torten, Gebäck/ und Oma’s Rezepte”.

Vor allem unter “Oma’s Rezepte” wurde versucht, Spezialitäten aus dem Windecker Ländchen aufzuschreiben und für die Nachwelt zu erhalten.

Nachdem schließlich alles zusammengetragen war und die Angebote von verschiedenen Druckereien vorlagen, wurde in einer denkwürdigen Vorstandssitzung die Entscheidung über die Höhe der ersten Auflage des Kochbuchs getroffen. Trotz einiger Zweifler und großer Bedenken, die unverkaufbaren Restbestände noch jahrelang im Keller aufbewahren zu müssen, wurden 1000 (i. W. tausend) Bücher bestellt, die auf dem Martinsmarkt am 02.11.1997 in Rosbach erstmals verkauft werden sollten.

Durch Verzögerungen in der Druckerei schob sich der Liefertermin immer weiter hinaus und es musste schon befürchtet werden, dass die Bücher nicht mehr rechtzeitig fertig wurden. Am 31.10. schließlich die erlösende Meldung: die ersten 460 Obernauer Kochbücher waren da.

Die weitere Erfolgsstory des 1. Obernauer Kochbuchs ist kurz erzählt. Als hätten alle Windecker darauf gewartet, wurden am 02.11.1997 über 400 Kochbücher verkauft. Noch vor Weihnachten musste der erste Nachdruck in Auftrag gegeben werden, da alle 1000 Bücher verkauft waren.

Im Laufe der folgenden Jahre Anfang wurden weitere Rezepte gesammelt und ausprobiert und im Abstand von jeweils zwei bis drei Jahren die Bände 2 bis 5 mit insgesamt 1396 Rezepten auf den Markt gebracht und bisher über 25.000 Exemplare verkauft.

Nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda und aufgrund der einfachen, aber wohlschmeckenden Rezepte ist das Obernauer Kochbuch nicht nur in Windeck, sondern weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt und immer noch nachgefragt.

Es ist uns bekannt, dass einzelne Exemplare den Weg sogar nach Amerika und Australien gefunden haben und vor allem „Oma’s Rezepte“ dort großen Anklang finden.

Der finanzielle Segen, den das Kochbuch über den Bürgerverein gebracht hat, war schließlich so groß, dass der Traum vom eigenen Bürgerhaus wahr gemacht werden konnte und dieses ausschließlich mit Eigenmitteln und in Eigenleistung in der Nähe der Grundschule errichtet und Ende 2007 eröffnet wurde.

 

Neben dem Bürgerhaus wurde danach noch ein großer Kindespielplatz errichtet, der sich bei den kleinen Mitbürgern großer Beliebtheit erfreut und vom Bürgerverein mit neuen Spielgeräten ständig erweitert wird.

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