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Schilderungen vom
Maibaum- und Denkmalverein bis zur Übernahme durch den Bürgerverein Obernau
Einen „geklauten“ Baum durfte man neben dem schon stehenden
Baum aufstellen. Es kam vor, dass in Ortschaften oft mehrere Bäume standen. Die Ortschaft Bach war auch auf dem Programm. Leider war der
Baum bewacht. Der Bauer Ernst Krämer verteidigte den Baum mit „Peitschenknall“.
Mit der List der Obernauer beschloss man dann, gemeinsam den Hurster Baum zu
holen. Auf der Anhöhe vor Hurst hielt man an, umstellte die kleine Anzahl der
Bacher Jugend und erklärte ihnen, dass sie „Gefangene“ wären. Ein Teil der Obernauer zog zurück nach Bach und sägte das
„gute Stück“ ab. Die dunkle Nacht in Bach wurde plötzlich hell, ein herrliches
Feuerwerk war zu sehen. Der Baum war in die Lichtleitung gefallen. Dieser Streich sollte Geld kosten. Am nächsten Tag musste
der Elektriker, Karl Anselm, den Schaden beheben. Die Obernauer Jugend musste
zahlen. Karl Anselm, der im Obernauer Gesangverein Mitglied war, machte es aus
diesem Grund nicht zu teuer. Wie berichtet wurde, erstattete man Rosbach auch einen
Besuch ab, Der Maibaum stand neben der alten Post, wo später die Apotheke war
(jetzt Bürgeramt der Gemeinde Windeck). Es ging leichter als in Bach, auch ohne
Folgen. Bei Abfahrt eines Zuges sägte man den Baum ab. Ich glaube, es hat kein
Rosbacher gemerkt. Über die Rathausstraße ging es ab nach Obernau. Nach den erfolgreichen Beutezügen kam das böse Erwachen. Die
Obernauer wurden von den Rothern besucht. Der Maibaum stand im Oberhof,
zwischen Haus Lindenpütz und Kamp, am alten Spritzenhaus. Oberhalb von Obernau hatten die Rother zur Ablenkung ein
Feuer gemacht. Als die Obernauer nachschauen gingen, schnitten die Rother den Obernauer
Baum ab und entführten ihn nach Roth. Auf dem Speicher von Fritz Klüser bekam
er seinen Platz. Aber der „dicke Fritz“ mit seinen Leuten hielten sich nicht an
die Gesetze. Anstatt ihn in die Erde zu setzen, ließen sie ihn auf dem
Speicher, wo er mit der Spitze aus der Dachluke ragte. Fritz sagte, an dem
herausragenden Teil könnten die Affen turnen. Der Ärger der Obernauer wuchs. Es wurde in aller Stille ein
Plan geschmiedet. Als die Stunde „X“ gekommen war, machten sich die Obernauer
auf, um den Baum wieder zurück zu holen. Die Rollen waren verteilt. Jeder
wusste, was er zu tun hatte, es durfte nichts schief gehen. In drei Gruppen
aufgeteilt machten sich Willi und Walter Lenz, Paul Lindenpütz, Willi und
Werner Rödder, Kurt Gerhards, Hans und Karl-Heinz Hundhausen, Willi Klein, Ludwig
Dahms und Herbert Stock an die Arbeit. Willi Klein hielt am Schlafzimmer vom „Dicken Fritz“ Wache.
Paul Lindenpütz, Kurt Gerhards und Walter Lenz stellten die Leiter in der Miste
an die Hauswand. Nachdem Paul zu aufgeregt war, kletterte schließlich Walter
Lenz nach oben. Doch die Dachluke war von innen verschlossen. Mit einem
Flacheisen konnte Walter schließlich den Krampen des Verschluss nach oben
schieben und die Luke öffnen. Dies gab natürlich viel Krach. Im Nachbarhaus Au
ging das Licht an. Jetzt hieß es schnell handeln. Mit einem Seil wurde der Baum
nach unten gelassen. Dabei wurde das Fallrohr der Dachrinne beschädigt. Auch im
Hause Klüser ging jetzt das Licht an. Doch die Obernauer waren schneller. Mit
Baum und Leiter ging es ab nach Obernau. Alwine und Emma Weber wollten den Baum nicht auf ihrem
Speicher haben, deshalb wurde er dann auf dem Speicher von Willi Lenz gelagert
und streng bewacht (man hatte mit dem Baum noch etwas Großes vor.) Vor dem „Lenzhaus“, auf dem jetzigen Grundstück von Adolf
Sälzer, hatte Wilhelm Sälzer sein Bienenhaus stehen. Die Rother benutzten das
Bienenhaus als Beobachtungsstand. Es hatte aber nichts genutzt, der Maibaum
blieb in Obernauer Hand. Für den nächsten Streich wurde Geld gesammelt, bei den
Obernauern und auch bei der Rosbacher Geschäftswelt. Man beschloss, die
Blaskapelle Rudolf Weber, Rosbach (in Uniform) zu bestellen. Der Maibaum wurde mit Musik durch Obernau getragen und am
28.05.1954 neben der Werkstatt von Klempner Wilhelm Rödder (Noah) wieder
aufgestellt. Es war ein Volksfest. In der Spitze des Baumes war das Ebenbild
vom „dicken Fritz“ und vom „langen Henner“ zu sehen, in Form eines dicken
Lumpenmannes.
Viel Geld wurde gespendet. Nun wurde aber richtig Wache
geschoben. In den freien Stunden waren wir immer bei Bier und Schnaps in der
Werkstatt von Wilhelm Rödder zu finden. Tagsüber mussten Frauen und Mädchen
wachen. Zur Tageswache wählte man Maria Breiter, Luise Lenz, Lina
Thomas, Seefchen, Berta Engelberth und Martha Giebeler. Das hielt bis zur
Versteigerung des Maibaums an.
Fritz Klüser versuchte wiederholt, den Baum nochmals zu
klauen. Er hatte sich ein Spezialbeil geschmiedet und gehärtet. Damit wollte er
Nägel und Bandeisen, die den Maibaum schützen sollten, durchhauen. Er kam öfter
mit dem Motorrad nach Obernau. Sein Fahrer war Peters (Toto) aus Gierzhagen. Der Streit um die Kosten des von Blech-Emil reparierten
Fallrohrs vom „Dicken Fritz“ ging bis zum Schiedsmann Karl Weber. Fritz wollte
eine komplett neue Dachrinne bezahlt haben. Bezahlt wurden schließlich nur 4
Meter Fallrohr zuzüglich der erforderlichen Schellen. Nun beschloss die Dorfjugend folgendes: 1. Die im Monat Mai entstandenen Kosten betr.
Maibaum einschl. Kapelle Weber von den Spenden zu bezahlen. 2. Das übrige Geld sollte für Gefallene und
Vermisste des Krieges verwandt werden. Man dachte daran, ein Ehrenmal zu bauen.
Aus dem Maibaumverein wurde ein Ehrenmal-Verein. Heinrich Heiden Kassierer (Beitrag und Neuaufnahme) wurde später Wilhelm
Giebeler, der durch Heirat Oberanuer Bürger wurde. Nun hatten wir finanziell
keine Not mehr. Die Mitgliederzahl wuchs durch seine Werbung. Er machte das
sehr gut. Die Einweihung des Ehrenmales erfolgte in einem feierlichen
Rahmen. Heinrich Heiden trug ein Gedicht vor. Die Feierlichkeiten wurden auf
Tonband aufgenommen. Leider ist das Tonband heute nicht mehr auffindbar. Ein
Pastor, der MGV Obernau sowie auch der Rosbacher Posaunenchor umrahmten die
Feier. Den Kranz legte Willi Lenz nieder. Jedes Jahr pilgern wir zu unserem Denkmal und gedenken
derer, die auf der Gedenktafel sehen. Zum Schluss sollten wir allen danken, deren Namen genannt
wurden. Denn sie sind es, die Brauchtum in Obernau pflegten und den Bau des
Ehrenmals ermöglichten. Wir hoffen, dass wir unseren Nachkommen ein Stück Brauchtum
aus dem Obernauerland hinterlassen konnte, und den Obernauer Bürgern, die noch
nicht wissen sollten, wie unser Ehrenmal entstanden ist. |